Schneller gehackt als upgedatet? Warum automatisierte und KI unterstützte Cyberabwehr Pflicht ist.

Von |20.01.2026|
Titelbild: Warum automatisierte und KI unterstützte Cyberabwehr Pflicht ist

Durch den Einsatz von KI verkürzen Angreifer die „Time-to-Exploit“ – das ist die Zeit zwischen dem Bekanntwerden einer Sicherheitslücke und deren Ausnutzung – von Monaten auf Stunden. Damit tritt das Patch Management in eine neue Ära. Automatisierte Verteidigungslösungen werden immer wichtiger.

Sobald Softwarehersteller Sicherheitsupdates veröffentlichen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wer ist schneller: Die betroffenen Personen oder Organisationen, die den Patch auf ihre Geräte aufspielen müssen, um die Sicherheitslücke zu schließen? Oder Cyberkriminelle, die sich die Lücke zunutze machen und Unternehmen kompromittieren, die es noch nicht geschafft haben, den Patch zu installieren?

Die kritische Zeitspanne zwischen der Erkennung und Behebung einer Sicherheitslücke nennt man im Cyber-Security-Jargon die „Time-to-Exploit“. In den Jahren 2018 bis 2019 lag die durchschnittliche Time-to-Exploit bei 63 Tagen. Zwischen 2023 und 2024 betrug sie nur noch 5 Tage. Und Anfang 2025 lag die Zeitspanne in einem Drittel der Fälle bei weniger als 24 Stunden.

Die Zeitspanne, in der man einen neuen Patch aufspielen sollte, um auf der sicheren Seite zu sein, wird also immer kürzer. Früher war die Devise „Einmal im Monat machen wir Updates“ völlig in Ordnung. Heute ist sie fahrlässig. Denn Angreifer haben ihre Fähigkeit, bekannt gewordene Schwachstellen auszunutzen, massiv beschleunigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Wie KI die Time-to-Exploit auf wenige Stunden verkürzt

Mithilfe von KI können Hacker die mühsame Handarbeit, die zur Untersuchung von Schwachstellen nötig war, weitgehend automatisieren. So sind Schritte, die früher mehrere Wochen dauerten, heute mit KI fast in Echtzeit erledigt. Folgende Beispiele zeigen, wie das in der Praxis funktioniert:

Patch Diffing – Automatisierter Vergleich zwischen alter und neuer Version

Sobald ein Software-Hersteller ein Sicherheitsupdate herausbringt, können Hacker KI-Modelle auf Analysen ansetzen. Die KI vergleicht alte, unsichere Dateien mit den neuen, gepatchten Dateien. Sie erkennt schnell die Unterschiede und kann sie einordnen nach dem Motto „Aha, hier wurde Code geändert, um Fehler X zu beheben.“ Die Angreifer erhalten damit in sehr kurzer Zeit fundierte Informationen über die Art der Schwachstelle.

Generierung von passgenauem Schadcode

Nachdem klar ist, wo die Lücke ist, muss entsprechender Schadcode entwickelt werden. Früher mussten Cyberkriminelle mit der nötigen Expertise dafür komplexen Programmcode per Hand schreiben. Heute können spezialisierte KI-Modelle diesen „Exploit-Code“ in verschiedenen Varianten ad-hoc generieren. Das senkt die Einstiegshürde: Selbst weniger talentierte Angreifer können nun hochkomplexe Schwachstellen ausnutzen.

Intelligenter Scan nach möglichen Opfern

Ist der Angriff einmal fertig vorbereitet, suchen KI-gesteuerte Bots das Internet rund um die Uhr nach Systemen ab, die das Update noch nicht installiert haben. Dabei können KI-Agenten das Internet deutlich geschickter scannen als statische Skripte. Sie sind besser in der Lage, gezielt verwundbare Systeme zu identifizieren.

In der Praxis sehen wir durch die Kombination dieser Automatisierungsmöglichkeiten immer öfter sogenannte „1-Day Exploits“ – Angriffe, die schon am ersten Tag nach Erscheinen eines Updates stattfinden.

KI als Problem und KI als Lösung – Mehr Tempo mit automatisierter Verteidigung

Was bedeutet die neue Situation für die Cyber-Abwehr? Die Konsequenz ist einfach: Wenn die Angreifer mit dem Sportwagen kommen, bringt es nichts, mit dem Mofa hinterherzufahren. Manuelle Prozesse sind schlichtweg zu langsam. Wir müssen KI mit KI bekämpfen.

Als Privatanwender ist es noch wichtiger als bisher, auf allen Geräten automatische Updates zu installieren. Wenn Updates verfügbar sind, die einen Neustart erfordern, solltest du sie sofort installieren. Jedes „Später erinnern“ erhöht das Risiko.

Für Unternehmen ist die Situation komplexer, da sie oft hunderte Systeme zu verwalten haben. Einfach alles sofort zu patchen, ist oft unmöglich. Dennoch gibt es auch hier moderne Strategien und KI-basierte Tools als Antwort auf die verkürzte Time-to-Exploit:

  • Risiko-Priorisierung von Patches: Statt stur der Reihe nach zu patchen, nutzen moderne Sicherheitstools künstliche Intelligenz, um zu bewerten: „Welche dieser 50 Lücken wird jetzt gerade da draußen aktiv von Hackern genutzt?“ Diese Lücken müssen zuerst geschlossen werden. Das schützt unmittelbar dort, wo es potenziell brennen kann.
  • KI-Lösungen, die Verhalten analysieren: Herkömmliche Virenscanner, die mit Signaturen arbeiten, reichen oft nicht mehr aus. Effektiver sind KI-gestützte Systeme wie EDR (Endpoint Detection and Response) und XDR (Extended Detection and Response). Sie achten nicht darauf, wie eine Datei aussieht, sondern erkennen verdächtige Muster. Wenn ein unbekanntes Programm zum Beispiel plötzlich versucht, die Datenbank zu kopieren, stoppt die Verteidigungs-KI den Prozess sofort – schneller als jeder Administrator reagieren könnte.

Fazit

Früher war das Ausnutzen einer neuen Sicherheitslücke mühsame Handarbeit für Spezialisten. Heute analysiert KI in kurzer Zeit neue Schwachstellen, generiert Exploit-Code und findet angreifbare Systeme. Die Zeit für ein sicherheitsbewusstes Patchen verkürzt sich von Monaten und Wochen auf wenige Tage und Stunden.

Mit KI hat die Angriffsseite ein neues Tempo vorgelegt, und die Verteidigung muss mitziehen. Einhergehend damit müssen wir unsere Routinen ändern: Updates sind keine lästige Pflicht für „irgendwann“, sondern die dringendste Maßnahme des Tages. Die gute Nachricht: Wer automatisiert und schnell reagiert, bleibt auch im Zeitalter der KI sicher.

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