Identity First Security: Identitätszentrierte Sicherheit wird zum vorherrschenden Mittel für Einlasskontrollen

Von |31.08.2026|
Titelbild: Identity First Security: Identitätszentrierte Sicherheit wird zum Mittel für Zugangskontrollen

Die klassische IT-Sicherheit überwachte vorrangig den Perimeter des Unternehmensnetzwerks. Doch in einer verteilten und hochvernetzten Welt erodieren die Grenzen. Identitätszentrierte Sicherheit wird zum vorherrschenden Mittel für Einlasskontrollen.

Wie lassen sich ein Firmennetzwerk und die darin befindlichen Geräte und Systeme am besten vor Angriffen schützen? Bis vor wenigen Jahren setzte die IT-Sicherheit auf einen Ansatz, der dem Schutzwall einer mittelalterlichen Burg ähnelt. Man zog dicke Mauern hoch und hob entlang der Grenzen des Netzwerks einen Burggraben aus, um Angriffe abzuwehren.

Unautorisiert in die Burg zu gelangen, war entsprechend sehr schwer. Die Zugangstore waren gut kontrolliert und die Mauern so hoch beziehungsweise die Firewalls so restriktiv konfiguriert, dass Angreifer sie nicht überwinden konnten. Wenn es ihnen aber einmal gelang, die Kontrollen zu passieren, konnten sie sich in der Burg frei bewegen.

Diese Schwäche, dass einmal eingedrungene Angreifer intern nicht mehr kontrolliert werden, ist einer der Gründe, warum der Burggraben als Schutz nicht mehr ausreicht. Es ist aber nicht der Einzige: Die IT-Landschaft von heute ist schlichtweg komplexer und vielfältiger geworden. Kollegen arbeiten im Homeoffice, Daten liegen verstreut in Cloud-Systemen und je nach Geschäftsfall müssen auch externe Partner auf bestimmte Systeme zugreifen. Es ist dadurch kaum noch möglich, einen klaren Perimeter zu bestimmen.

Was ist Identity First Security?

Mit dem Paradigma der identitätszentrierten Sicherheit verschiebt sich das vorrangige Schutzziel. Nicht mehr Geräte oder das Firmennetzwerk stehen im Mittelpunkt, sondern Identitäten – also wer oder was wann von wo auf welche Daten oder Systeme zugreifen möchte.

Anstatt nur das Eingangstor der Burg zu bewachen, steht bei der Identity First Security auch vor jedem weiteren Raum im Gebäude ein Türsteher. Du wirst also nicht nur einmal am Eingang nach deinem Ausweis gefragt, sondern auch in jedem weiteren Gebäudeabschnitt.

Der Türsteher prüft dabei nicht nur, wer du bist, sondern auch den weiteren Kontext:

  • Aus welchem Land greifst du gerade zu?

  • Nutzt du den gewöhnlichen Firmenlaptop oder ein privates, unbekanntes Tablet?

  • Um welche Uhrzeit findet der Zugriff statt?

Nur, wenn all diese Faktoren passen und plausibel sind, wird Einlass gewährt.

Identity First als Basis für „Zero Trust“

Die Wurzeln der Identity First Security reichen mittlerweile mehrere Jahrzehnte zurück. Bereits nach der Jahrtausendwende konnten Sicherheitsexperten die Anfänge einer „De-Perimeterisierung“ beobachten – das heißt, dass feste Netzwerkgrenzen in einer zunehmend vernetzten Welt immer mehr aufweichen.

Richtig Fahrt nahm die Idee aber erst ab 2010 auf, als das Konzept „Zero Trust“ an Verbreitung gewann. Hier lautet das Motto: Vertraue niemandem, überprüfe alles. Für die praktische Umsetzung dieses Zero-Trust-Gedankens ist die Identity First Security das Herzstück. Regelrecht alternativlos wurde der Ansatz dann durch den massiven Umzug von IT-Infrastruktur in die Cloud und den Durchbruch von Remote Work.

Passwörter erbeuten statt Firewalls hacken

In der klassischen IT-Landschaft liegen alle wichtigen Assets wie Kundendaten und Finanzpläne gebündelt auf einem Server im Keller des Firmengebäudes. Heute sind sie meist verteilt in diversen Cloud-basierten Anwendungen und externen Rechenzentren gespeichert. Es gibt in der Praxis schlichtweg kein zentrales Netzwerk mehr, das wie eine Burg verteidigt werden kann. Die Zugriffskontrollen werden deshalb feingranularer – mit dem Nutzer im Fokus.

Auch Cyberkriminelle haben sich längst auf die neue Situation eingestellt. Sie hacken sich kaum noch durch Firewalls, sondern loggen sich einfach ein – mit Passwörtern, die sie beispielsweise durch Phishing-Kampagnen erbeutet oder im Darknet gekauft haben. Die Identität ist auch für die Angreifer das Hauptziel geworden.

Wie Identity First Security in der Praxis umgesetzt wird

Als übergreifendes Paradigma wird die Identity First Security mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen implementiert. Viele davon kennst du sicher schon aus deinem Arbeitsalltag:

  • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Ein Passwort allein reicht nicht. Für die Bestätigung der Identität muss immer ein zweiter Beweis erbracht werden – zum Beispiel die Bestätigung in einer App auf deinem Smartphone.

  • Single Sign-On (SSO): Damit die Nutzer nicht ihren halben Arbeitstag damit verbringen, sich ständig wieder erneut einzuloggen, ermöglicht eine einzige Anmeldung den Zugriff auf mehrere Systeme. Umgesetzt wird dies durch einen zentralen sogenannten Identitätsanbieter (Identity Provider, kurz: IdP).

  • Prinzip der minimalen Rechte (Least Privilege): Jeder Nutzer bekommt nur die Zugriffsrechte, die er für seine aktuellen Aufgabe zwingend benötigt. Jemand aus der Marketing-Abteilung braucht zum Beispiel in der Regel keinen Zugriff auf die Systeme der Finanzbuchhaltung.

  • Kontinuierliche Überprüfung: Der Nutzerstatus wird nicht nur beim morgendlichen Erst-Login überprüft, sondern kontinuierlich. Wenn sich dein Standort plötzlich von Berlin nach Singapur verändert, während du eigentlich im Büro sitzt, schlägt das System Alarm und blockiert den Zugriff.

  • Identitäts-Lebenszyklus: Alle vom Unternehmen verwalteten digitalen Identitäten werden durchgängig gemanagt. Wenn eine neue Kollegin anfängt, bekommt sie passgenau die richtigen Rechte. Wenn sie das Unternehmen verlässt, werden sofort alle Zugänge automatisiert und lückenlos gesperrt.

Fazit

Identity First Security gehört zu den wichtigsten Grundsätzen einer modernen Sicherheitsarchitektur. Motiviert ist der Ansatz durch den Wandel der IT-Landschaft und den Trend zur mobilen Arbeit. Die Identität der Nutzer entscheidet darüber, ob ihnen der Zugriff auf bestimmte Daten und Systeme gewährt wird oder nicht. Unternehmen müssen deshalb darauf achten, dass sie an den richtigen Stellen durchsetzungsfähige „Türsteher“ engagiert haben.

Hier findest du alle Infos zur 24/7 Überwachung von IT-Systemen und einem zeitgemäßen Schutz der IT-Infrastruktur durch unser Cyber Security Operation Center


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